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notenblog

 

Das macht ja Lust auf mehr.

Im Kino gewesen: The Artist

Eigentlich war ja Sportmorgen. Ich hatte sogar schon die Tasche gepackt. Beim Frühstückskaffee blätterte ich in der Zeitung, ihr wisst schon, diesem unhandlichen Papierding, in dem die News aus dem Internet abgedruckt sind. Im Hochhaus-Kino war die Vorpremiere von The Artist. Also schnell geduscht, ordentlich angezogen, ab auf’s Rad und grad noch rechtzeitig zum Filmstart gekommen.


Es ist ein guter Film, die Geschichte eines alten Stummfilmstars an der Schwelle zum Tonfilm und der Liebe, die ihn vor dem Vergessen errettet, alles in schwarz-weiß, (fast) alles ohne Geräusche. Die wenigen Geräusche und Sprachfetzen sind so geschmackvoll und effektiv eingebunden, man braucht sich nicht zu fürchten, dass der Film zu platt endet. Augenblicklich mit Filmbeginn wird man in die Epoche hineingezogen, alle Schauspieler überzeugen als Stummfilmstars, Mimik und Gestik ist hinreißend, die musikalische Untermalung beispielhaft.
Spannend ist dann zu beobachten, wie sich die Bildsprache mit dem Wechsel zum Tonfilm ändert, wie sich das mimische Agieren reduziert und die Menschen unverständlich werden, weil sie nur noch reden. Es gibt sehr typische Wendungen, die einen erfreuen, weil auch sie so genregerecht sind und dem Film zugleich eine irre Spannung verleihen. Nebst alle dem kommen die Slapstickszenen nicht zu kurz, auch hier ist man wieder sehr in der Zeit.

Anschließend muss man Champagner trinken gehen, auch wenn’s erst Mittag ist. So ein Film ist das.

Taken with Instagram at Haus Hessenkopf
Taken with instagram
Ca. 4MB: Audrey Hepburn: Breakfast at Tiffany’s.
Venedig. Ein Innenhof vor einigen Jahren. Frühlingsgefühle.
Hannover, bestmöglich

Reklame ist ja eher so generelle Umweltverschmutzung. Ob laminierte Kärtchen von Autohändlern, Stadtteilwerbezeitungen, Pizzaflyer, in Plastik geschweißte Reklamesammlungen der Post oder überhaupt Wurfsendungen: unnütz und damit eine Verschwendung von Ressourcen. Und das ist nur das gedruckte Übel.


Während ich also überlege, komplett auf eine Zeitung zu verzichten, um nicht täglich eine der Zeitungsdicke entsprechende Menge an Möbelhauswerbung entsorgen zu müssen, reicht am Postkasten bisher oft eine einfacher Hinweis: „Bitte keine Werbung einwerfen“. Oft, aber nicht immer, es landet immer mal ein Sonntagsblatt darin oder ein Pizzaflyer. Immer dann, wenn ein bestimmter Austräger durch die Straße zieht. Wenn ich ihn vor den Briefkästen treffe, weise ich ihn auf das kleine Schild hin, bis zum nächsten Flyer hat er es aber vergessen oder ignoriert es. Ich schwanke dann zwischen „der arme Mann muss ja auch Geld verdienen“ und „nächstes Mal hau ich ihm ein Paar rein“, irgendwo dazwischen halt.


Das Letzte was im Briefkasten war, war ein Flyer von Personen, die möchten, dass Hannover besser wird. Aus einer fußballerischen Sicht kann ich das unterstützen, aus modischer Sicht auch, aus deren Sicht aber nicht, denn es wird die übliche dümmlich-gefährliche Meinung vertreten, dass alles Fremde uns verdirbt. Dass ohne die Entdeckung und Wertschätzung des Fremden wir immer noch auf Bäumen säßen (etwas verkürzt dargestellt), kann man diesen Personen ja nie klarmachen.

Klar ist: Besser wird Hannover mit der Mischpoke nicht. Sie halten sich nicht an Regeln/Wünsche, können nicht lesen oder sind so inkonsequent, doch den russischsprachigen Austräger zu beschäftigen. Ein Schild „Bitte keinen Müll einwerfen“ wird nicht helfen, ein direkter Angriff auch nicht. Man kann es nicht mal anzeigen. Das bessere Hannover wäre aber auf jeden Fall ohne sie.

Kolumba Museum/Köln, 2. OG
Kaffee (Taken with Instagram at Moevenpick Kroepcke)
Knuspriger Pizzateig ohne Hefe. Ohne Hefe? Ohne Hefe! Das Internet an sich weiß ja alles, gibt sich für Detailfragen aber manchmal etwas verschlossen. Man muss schon wissen, mit welchen Begriffen man Google kitzelt, welche Spezialseiten man besuchen muss, um schöne Lampen oder gute Gitarren zu finden. Da reicht es, einmal eine beliebte Forumsseite zu besuchen und man hat die schönsten Allgemeinmeinungen der allerorts verbreiteten Besserwisser.  

Sucht man Pizza italienischer Art und dazugehörige Zubereitungstipps erhält man eine Mischung aus Teigrezepten amerikanischer Art und diverse Anbieter von Tiefkühlprodukten. Na.

 

Wirklich knusprige Pizza aß ich bisher nur in Padua am großen Platz (vermutlich wirklich italienisch) und in Berlin nahe der Museumsinsel (italienische Betreiber, die sich freuten, dass ich bestimmte Produkte nicht wollte: Edamer). In Berlin bekommt man aber auch Espresso und gefüllte Croissants wie in Padua. Na.
In Hannover ist es mit Pizza wie mit dem Internet: Richtig gute Pizza verbirgt man sorgfältig vor mir. Guterweise kennen zwei Freunde den Ort, an dem ein Pizzaweltmeister Pizza bereitet und das ist Porta Westfalica Nammen. Guterweise war ich auf der Rückreise vom Gitarrenkauf hungrig und die alte Dorfschänke zwar belegt, aber nicht so, wie es sich für einen zweimaligen Pizzaweltmeister und die beste Pizza gehört. Die beste Pizza? Ja. Na.
 

Jener Pizzaweltmeister verriet den Freunden noch, dass er den Teig ohne Hefe, Backpulver und Quark-Öl mache, ihn aber 48 Stunden gehen lasse. Zu Hause setzte ich also einen Teig nur aus Mehl, Wasser, Öl und etwas Salz an, nicht ohne zuvor alles Halbwissen im Internet zusammenzulesen und dann zu ignorieren, wickelt es auf Tipp eines anderen Freundes in ein feuchtes Küchentuch und wartete zwei Tage. Warum? Weil es der Weltmeister sagt.
Dann heizte ich dem Ofen ein, rollte den Teig aus, belegte, schob die Pizza in den Ofen und wartete. Und es schmeckte wunderbar. Nicht so wie beim Meister, dafür war der Boden noch etwas zu feucht, aber das werden die nächsten Experimente. Der Rand war schon mal dünn und knusprig. Ganz ohne Hefe, ihr Kochforumsbesserwisser! Also, Schritt 1 wird: Den Teig ohne Nudelholz ausrollen, dass hat die anwesende Liebste beim Meister beobachtet. Schritt 2: Den Teig ohne Belag vorbacken. Schritt 3: Granitfliesenrest kaufen und als Pizzastein verwenden. Ich werde berichten.

 

Und so ist das Rezept für knusprigen Pizzateig ohne Hefe in aller Kürze:

  • 200g Mehl
  • 2 EL Öl
  • etwas Salz
  • soviel lauwarmes Wasser, bis der Teig seidig ist (80ml ungefähr)
  • vermengen und 48 Stunden in ein leicht feuchtes Küchentuch gewickelt in Ruhe lassen
  • so heiß wie möglich backen
Romangrundlage

1. Ich schlafe und träume. Als ich erwache, weiß ich, dass es nicht sein kann, denn ich bin in der romantischen Stadt. An meinen Erzählungen von der Reise und meinem Verhalten als ich das Hotel verlasse merkt man, dass ich oft reise, oft in Städte, oft in diese Stadt. Ich erinnere mich an Kindheitsszenen und sage, dass ich mich auf ein Treffen freue.


2. Ich erzähle von meinem Alltag in meinem Heimatort, von einem Mädchen, dass ich dort treffe. Eigentlich erzähle ich von vielen Mädchen, aber dieses ist besonders, denn ich kann sie nicht ansprechen, dabei bin ich sonst nicht schüchtern.
Das Wunder geschieht: Sie spricht mich an. Wir trinken Kaffee; ich möchte sie küssen, als sie erzählt, dass sie die Stadt verlässt.


3. Ich treffe meinen besten Freund und wir besprechen alles. Mit diesem besten Freund geht das, denn es ist eine Frau. Natürlich hatten wir was, aber wir wollten nur Freunde bleiben. Sie ist ja jetzt auch glücklich, oder? Wir beschließen, dass ich zu dem tollen Mädchen in die Metropole reise, ohne es ihr zu sagen. Die Freundin erzählt, das sie auch gerne mal wieder glücklich wäre, ihr Ehe ist ein Desaster, ihr Mann versteht sie einfach nicht.


4. Ich reise und beschreibe all mein technisches Equipment, tolles Reisespielzeug. Es drückt unwillkürlich Dazugehörigkeit und Weltenbürgertum aus. Im Hotel lerne ich eine Frau kennen. Ich erkunde die Metropole und auch hier kenne ich mich aus, kann alle coolen Lokale beschreiben. Ich höre passenden Musik und ziehe Filmvergleiche.


5. Die Frau aus dem Hotel und ich haben eine kurze Affäre. Kurz darauf treffe ich das Mädchen und sie freut sich. Wir gehen aus und küssen uns. Kein Sex. Noch nicht.


6. Wir unterhalten uns hölzern und sprechen über vergangene Liebschaften und unsere Kindheit. Von den schmerzhaftesten Trennungen wisst ihr schon aus anderen Kapiteln, angefangen mit der letzten, langsam nähere ich mich dem ersten Mal. Das gibt es erst im vorletzten Kapitel. Sie deutet eine lesbische Beziehung an. Ich zweifel kurz, dann haben wir Sex, langsamen, phantasievollen, alles überragenden Sex. Stundenlang.


7. Wir haben schnellen, schmutzigen Sex. Und langsamen, sinnlichen. Zwischendurch gehen wir essen und entdecken unsere alles überragende Seelenverwandschaft. Wir hören die richtige Musik, schauen die richtigen Filme und essen das richtige.


8. Unsere Beziehung soll nicht durchschnittlich sein. Also beschließen wir eine neue Form der Verbindung.


9. Ein Schicksalsschlag zwingt mich zur Abreise. Die Familie ruft. Ich habe Probleme mit meiner Familie, aber beseelt von dem Mädchen versöhn ich mich mit der Welt.


10. Wir sehen uns wieder, aber sie kann sich noch nicht für mich entscheiden.


11. Zurück an dem Ort des ersten Kapitels. Endlich findet das ersehnte Treffen statt, wir scherzen, küssen uns und Ende.


Sie müssen nun nur noch Namen, Orte, Musik (bitte nichts zu unbekanntes), Film-, Lied- und/oder Literaturzitate einfügen und ganz wichtig: Vergleiche! Metaphern! Bildsprache! Je verwegener und ausgefallener desto Prosa. Dann an die bekannten Verlage schicken. Noch 20 Bücher mit dem Strickmuster fallen gar nicht auf.

Gitarren anfassen

Kniedeln. Kniedeln ist auf dem Sofa liegen, eine E-Gitarre auf dem Bauch balancieren und sinnlos das Griffbrett rauf und runter eiern. Möglichst viel, möglichst schnell. Das ist eine furchtbar pubertäre Spielweise, die man aber pflegen muss. Andere sagen üben. In der Öffentlichkeit sollte man aufpassen, dass man nicht nur so spielt, aber das lernen pubertäre Jungs und spätpubertierende Gitarreros erst später oder nie. Jedenfalls braucht man zum kniedeln eine E-Gitarre und ich habe seit knapp 10 Jahren keine mehr. Dabei wollte ich dringend mal wieder kniedeln, also los, in die Geschäfte, Gitarren anfassen.


Hannover ist ja nicht so geeignet, trotz Duesenberg, einiger guter Gitarrenbauer und Rockinger gibt es keinen Laden, in dem es vernünftig viel unterschiedliche Gitarren gibt. Die einen sind nämlich Lüger und Betrüger, die anderen etwas eingeschränkt in der Auswahl. Die hat’s in Ibbenbüren und dort ging es zunächst hin, um festzustellen, dass a) alle Gitarren unter 500 € nicht in Frage kommen und b) 25,5” Mensur eher nicht mein Ding ist. Damit ist alles von Fender raus. Ibanez und ähnliche Flachhalsgitarren auch. Praktisch.
Trotz der Mensur gefiel mir Steinberger. Die Optik muss man aber mögen. Eine schöne Optik haben ja die Paul Reed Smith Gitarren, die haben aber auch schöne Preise. Ibbenbüren hat die in einem ruhig ausgebauten Gitarrenkabinett, für den Träumer in uns.


Zum Glück wollte ich aber ja auch nach Köln und Essen und sommerliche Museumsbesuche vertiefen. In Köln hielt ich so noch schnell in Beyer’s Guitar Center (das Apostroph kommt nicht von mir!). PRS SE gut gefunden, dann noch MusicMans altes EvH Modell, die Axis. FloydRose ist aber auch raus. Schade, der Hals ist so gut. Toller Laden, aber im Stammhaus in Bochum sollen noch tollere Sachen sein. Also hin.
Dort Vintage-Gitarren angefasst und mit Flaxwood superelegante Gitarren mit Natursteinhals entdeckt. Spannend, aber etwas über dem Limit. Für die besondere Optik dann noch ein altes George Lynch Modell von ESP LTD angefasst, gut zu spielen, aber mehr für Raumschiff Orion Bands. Bei den Signaturegitarren bin ich dann geblieben, Honey. Und jetzt geh ich kniedeln.

Kolumba Köln
Köln (Taken with Instagram at Chelsea Hotel)
cavetocanvas:

Sandro Botticelli, The Mystical Nativity, c. 1500

Schöne Festtage