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notenblog

 
Kaffee (Taken with Instagram at Moevenpick Kroepcke)
Knuspriger Pizzateig ohne Hefe. Ohne Hefe? Ohne Hefe! Das Internet an sich weiß ja alles, gibt sich für Detailfragen aber manchmal etwas verschlossen. Man muss schon wissen, mit welchen Begriffen man Google kitzelt, welche Spezialseiten man besuchen muss, um schöne Lampen oder gute Gitarren zu finden. Da reicht es, einmal eine beliebte Forumsseite zu besuchen und man hat die schönsten Allgemeinmeinungen der allerorts verbreiteten Besserwisser.  

Sucht man Pizza italienischer Art und dazugehörige Zubereitungstipps erhält man eine Mischung aus Teigrezepten amerikanischer Art und diverse Anbieter von Tiefkühlprodukten. Na.

 

Wirklich knusprige Pizza aß ich bisher nur in Padua am großen Platz (vermutlich wirklich italienisch) und in Berlin nahe der Museumsinsel (italienische Betreiber, die sich freuten, dass ich bestimmte Produkte nicht wollte: Edamer). In Berlin bekommt man aber auch Espresso und gefüllte Croissants wie in Padua. Na.
In Hannover ist es mit Pizza wie mit dem Internet: Richtig gute Pizza verbirgt man sorgfältig vor mir. Guterweise kennen zwei Freunde den Ort, an dem ein Pizzaweltmeister Pizza bereitet und das ist Porta Westfalica Nammen. Guterweise war ich auf der Rückreise vom Gitarrenkauf hungrig und die alte Dorfschänke zwar belegt, aber nicht so, wie es sich für einen zweimaligen Pizzaweltmeister und die beste Pizza gehört. Die beste Pizza? Ja. Na.
 

Jener Pizzaweltmeister verriet den Freunden noch, dass er den Teig ohne Hefe, Backpulver und Quark-Öl mache, ihn aber 48 Stunden gehen lasse. Zu Hause setzte ich also einen Teig nur aus Mehl, Wasser, Öl und etwas Salz an, nicht ohne zuvor alles Halbwissen im Internet zusammenzulesen und dann zu ignorieren, wickelt es auf Tipp eines anderen Freundes in ein feuchtes Küchentuch und wartete zwei Tage. Warum? Weil es der Weltmeister sagt.
Dann heizte ich dem Ofen ein, rollte den Teig aus, belegte, schob die Pizza in den Ofen und wartete. Und es schmeckte wunderbar. Nicht so wie beim Meister, dafür war der Boden noch etwas zu feucht, aber das werden die nächsten Experimente. Der Rand war schon mal dünn und knusprig. Ganz ohne Hefe, ihr Kochforumsbesserwisser! Also, Schritt 1 wird: Den Teig ohne Nudelholz ausrollen, dass hat die anwesende Liebste beim Meister beobachtet. Schritt 2: Den Teig ohne Belag vorbacken. Schritt 3: Granitfliesenrest kaufen und als Pizzastein verwenden. Ich werde berichten.

 

Und so ist das Rezept für knusprigen Pizzateig ohne Hefe in aller Kürze:

  • 200g Mehl
  • 2 EL Öl
  • etwas Salz
  • soviel lauwarmes Wasser, bis der Teig seidig ist (80ml ungefähr)
  • vermengen und 48 Stunden in ein leicht feuchtes Küchentuch gewickelt in Ruhe lassen
  • so heiß wie möglich backen
Romangrundlage

1. Ich schlafe und träume. Als ich erwache, weiß ich, dass es nicht sein kann, denn ich bin in der romantischen Stadt. An meinen Erzählungen von der Reise und meinem Verhalten als ich das Hotel verlasse merkt man, dass ich oft reise, oft in Städte, oft in diese Stadt. Ich erinnere mich an Kindheitsszenen und sage, dass ich mich auf ein Treffen freue.


2. Ich erzähle von meinem Alltag in meinem Heimatort, von einem Mädchen, dass ich dort treffe. Eigentlich erzähle ich von vielen Mädchen, aber dieses ist besonders, denn ich kann sie nicht ansprechen, dabei bin ich sonst nicht schüchtern.
Das Wunder geschieht: Sie spricht mich an. Wir trinken Kaffee; ich möchte sie küssen, als sie erzählt, dass sie die Stadt verlässt.


3. Ich treffe meinen besten Freund und wir besprechen alles. Mit diesem besten Freund geht das, denn es ist eine Frau. Natürlich hatten wir was, aber wir wollten nur Freunde bleiben. Sie ist ja jetzt auch glücklich, oder? Wir beschließen, dass ich zu dem tollen Mädchen in die Metropole reise, ohne es ihr zu sagen. Die Freundin erzählt, das sie auch gerne mal wieder glücklich wäre, ihr Ehe ist ein Desaster, ihr Mann versteht sie einfach nicht.


4. Ich reise und beschreibe all mein technisches Equipment, tolles Reisespielzeug. Es drückt unwillkürlich Dazugehörigkeit und Weltenbürgertum aus. Im Hotel lerne ich eine Frau kennen. Ich erkunde die Metropole und auch hier kenne ich mich aus, kann alle coolen Lokale beschreiben. Ich höre passenden Musik und ziehe Filmvergleiche.


5. Die Frau aus dem Hotel und ich haben eine kurze Affäre. Kurz darauf treffe ich das Mädchen und sie freut sich. Wir gehen aus und küssen uns. Kein Sex. Noch nicht.


6. Wir unterhalten uns hölzern und sprechen über vergangene Liebschaften und unsere Kindheit. Von den schmerzhaftesten Trennungen wisst ihr schon aus anderen Kapiteln, angefangen mit der letzten, langsam nähere ich mich dem ersten Mal. Das gibt es erst im vorletzten Kapitel. Sie deutet eine lesbische Beziehung an. Ich zweifel kurz, dann haben wir Sex, langsamen, phantasievollen, alles überragenden Sex. Stundenlang.


7. Wir haben schnellen, schmutzigen Sex. Und langsamen, sinnlichen. Zwischendurch gehen wir essen und entdecken unsere alles überragende Seelenverwandschaft. Wir hören die richtige Musik, schauen die richtigen Filme und essen das richtige.


8. Unsere Beziehung soll nicht durchschnittlich sein. Also beschließen wir eine neue Form der Verbindung.


9. Ein Schicksalsschlag zwingt mich zur Abreise. Die Familie ruft. Ich habe Probleme mit meiner Familie, aber beseelt von dem Mädchen versöhn ich mich mit der Welt.


10. Wir sehen uns wieder, aber sie kann sich noch nicht für mich entscheiden.


11. Zurück an dem Ort des ersten Kapitels. Endlich findet das ersehnte Treffen statt, wir scherzen, küssen uns und Ende.


Sie müssen nun nur noch Namen, Orte, Musik (bitte nichts zu unbekanntes), Film-, Lied- und/oder Literaturzitate einfügen und ganz wichtig: Vergleiche! Metaphern! Bildsprache! Je verwegener und ausgefallener desto Prosa. Dann an die bekannten Verlage schicken. Noch 20 Bücher mit dem Strickmuster fallen gar nicht auf.

Gitarren anfassen

Kniedeln. Kniedeln ist auf dem Sofa liegen, eine E-Gitarre auf dem Bauch balancieren und sinnlos das Griffbrett rauf und runter eiern. Möglichst viel, möglichst schnell. Das ist eine furchtbar pubertäre Spielweise, die man aber pflegen muss. Andere sagen üben. In der Öffentlichkeit sollte man aufpassen, dass man nicht nur so spielt, aber das lernen pubertäre Jungs und spätpubertierende Gitarreros erst später oder nie. Jedenfalls braucht man zum kniedeln eine E-Gitarre und ich habe seit knapp 10 Jahren keine mehr. Dabei wollte ich dringend mal wieder kniedeln, also los, in die Geschäfte, Gitarren anfassen.


Hannover ist ja nicht so geeignet, trotz Duesenberg, einiger guter Gitarrenbauer und Rockinger gibt es keinen Laden, in dem es vernünftig viel unterschiedliche Gitarren gibt. Die einen sind nämlich Lüger und Betrüger, die anderen etwas eingeschränkt in der Auswahl. Die hat’s in Ibbenbüren und dort ging es zunächst hin, um festzustellen, dass a) alle Gitarren unter 500 € nicht in Frage kommen und b) 25,5” Mensur eher nicht mein Ding ist. Damit ist alles von Fender raus. Ibanez und ähnliche Flachhalsgitarren auch. Praktisch.
Trotz der Mensur gefiel mir Steinberger. Die Optik muss man aber mögen. Eine schöne Optik haben ja die Paul Reed Smith Gitarren, die haben aber auch schöne Preise. Ibbenbüren hat die in einem ruhig ausgebauten Gitarrenkabinett, für den Träumer in uns.


Zum Glück wollte ich aber ja auch nach Köln und Essen und sommerliche Museumsbesuche vertiefen. In Köln hielt ich so noch schnell in Beyer’s Guitar Center (das Apostroph kommt nicht von mir!). PRS SE gut gefunden, dann noch MusicMans altes EvH Modell, die Axis. FloydRose ist aber auch raus. Schade, der Hals ist so gut. Toller Laden, aber im Stammhaus in Bochum sollen noch tollere Sachen sein. Also hin.
Dort Vintage-Gitarren angefasst und mit Flaxwood superelegante Gitarren mit Natursteinhals entdeckt. Spannend, aber etwas über dem Limit. Für die besondere Optik dann noch ein altes George Lynch Modell von ESP LTD angefasst, gut zu spielen, aber mehr für Raumschiff Orion Bands. Bei den Signaturegitarren bin ich dann geblieben, Honey. Und jetzt geh ich kniedeln.

Kolumba Köln
Köln (Taken with Instagram at Chelsea Hotel)
cavetocanvas:

Sandro Botticelli, The Mystical Nativity, c. 1500

Schöne Festtage
Unglaubliche Arbeit, die dieser Mann macht. Via Design Milk.
Minimalismus an der Supermarktkasse

Na, klar, einfach die Süßigkeitenstände an den Kassen wegräumen, ihre Funktion auf das kassieren beschränken und schon ist haben wir den schönsten Minimalismus. Artikel fertig.

Das wäre aber nur die letzte Konsequenz, bis dahin gibt es einige Schritte, die durchaus nötig sind. Es beginnt alles im Internet. Suchte man früher nach formschönen Dingen, nach reduziertem Design ist heute alles minimal. Musik, Webdesign, Gestaltung und Philosophie ergeben da eine recht undefinierbare Mixtur, so dass man von einer Überstrapazierung des Begriffs sprechen darf. Der philosophische Ansatz des Verzichts wird dabei derart karikiert, dass reduziert gestaltete Objekte, wie etwa die Apple-Produkte, als ein Must-have gesehen werden. So sah ich einen weißen und faltbaren Ersatzrucksack für 130 $. Vergleichbare Rucksäcke in Schwarz-grau findet man hier für 15 €. Was ist daran minimal?

Es geht weiter mit einem Film, „Das Ende ist mein Anfang“, in dem Bruno Ganz als Tiziano Terzani, einem italienischen Journalisten, seinem Sohn die Geschichte seines Lebens erzählt. Es ist ein ruhiger Film, die Musik stammt von Ludovico Einaudi, den ich sehr schätze.


Ganz/Terzani äußert einige Gedanken, die ich mir vor wenigen Wochen gemacht habe. Es geht um die Wichtigkeit des eigenen Darseins, um die Wichtigkeit von Besitz, um das Glück des Loslassens, die Freude auf Neues und Veränderung. Vielleicht hatte ich so etwas wie eine vorgezogene Mini-Midlife-Crisis, jedenfalls weiß ich jetzt: brauch ich keine Favs, keine besonderen Auszeichungen, ich bin nicht wichtig. Wer ganz ehrlich ist, weiß, dass auch er nicht wichtig ist, zumindest nicht wichtiger als andere. Warhol hat uns da etwas vorgegaukelt mit den 15 Minuten Ruhm für jeden; Privatfernsehen und Internet haben das bereitwillig aufgenommen und nun hält sich jeder, der mal auf youtube mit einem Video zu sehen war für einen Star. Zum Starruhm gehören dann gewisse Insignien und schon läuft jeder mit allerlei Tand ausgerüstet durch die Gegend – ob man es braucht wird da nicht gefragt. Ob man es sich leisten kann? Ja, denn alles gibt es immer billiger, denn es brauchen ja alle, denn es sind ja alle Stars.

Diejenigen, die das halbwegs durchschauen setzen dann auf etwas bessere Produkte und sind, nein, keine Stars, Minimalisten!
Und die es durchschauen? Manche halten sich an die Philosophie und üben Verzicht, berufen sich auf Zen und Buddha, besuchen möglichst Tibet oder Japan, um es zu lernen. Anstatt in sich selber zu forschen flieht man in die Ferne.


Mich stört daran, dass einer immer übergangen wird, der ursprünglich mit unserer Kultur verwurzelt ist und nichts anderes gesagt hat, als dass man bitte sich und seine Umgebung lieb haben solle, auf Gewalt durchaus verzichten könne und mal überlegen solle, was man wirklich braucht, wenn doch der Nachbar so gar nichts hat.
Wenn man sich auf ihn beruft, wird man gerne mit dem Vorwurf konfrontiert, dass seine Nachfolger vor mehreren hundert Jahren ja gar nicht so gewaltlos und verzichtend waren. Genau das übrigens, was man heute dem Islam vorwirft und doch nur wenige Muslime meint. Und trotzdem: Wir könnten doch einfach mal wieder christlich leben. Wie Jesus es gelehrt hat. Wie wär’s, so kurz vor Weihnachten, hm?
Dann geht Minimalismus damit los, dass man an den Supermarktkassen nicht entnervt guckt, weil ein Kind lautstark nach Bonbons verlangt während die alte Frau sich die Mühe macht, noch selber ihr Kleingeld zu zählen. Und wer nicht „Ommm“ grummeln möchte kann ja innerlich seinen Lieblingschoral singen, lächeln und sich freuen, dass da noch Menschen sind.

Der Gott des Gemetzels und der Zauberlehrling

Herrjeh, ich fand ja schon den Titel beknackt. „Der Gott des Gemetzels“, also, bitte. Wenn nicht die Besetzung gereizt hätte, dann wäre ich doch gar nicht hinein gegangen. Christoph Waltz fand ich dann auch gut, die Geschichte und die restlichen Schauspieler hingegen eher unglaubwürdig überzogen. Ähnliches hatte ich zuvor fesselnder gesehen (Link). Außerdem mag ich das Fremdschämen nicht – Stromberg ist ja auch nicht mein Fall – und kenne solche Situationen aus lauter Elterngesprächen.


Aber mir wurde ja auch versprochen, nach dem Film ein neues Restaurant auszuprobieren. Nicht nur Küche und Betreiber waren neu, nein, man hatte kurzerhand das gesamte Gebäude ersetzt. Nun steht also in Hannovers Südstadt ein schönes neues Haus und drin ist der „Zauberlehrling“. Entgegen der Besprechung in der HAZ wurde souverän bedient. Entsprechend der Besprechung in der HAZ war das Menü köstlich, auch die Speisekarte – regional und saisonal ausgerichtet – ließ keine Wünsche offen, die Gänge kamen mit ausreichend Pause, die Weinempfehlungen passten ausgezeichnet. All das zu einem moderaten Preis. Ich mag es ja nicht, wenn Restaurants zu teuer oder zu billig sind: Gutes Essen kochen ist ein schweres Handwerk, das gut bezahlt werden muss. Beim Zauberlehrling steht das in einem guten Verhältnis.
Auf das Weinbuffet verzichtete ich an jenem Abend, kann mir das aber als gelungene Ergänzung vorstellen.
Während ich den Kollegen am nächsten Tag vom Zauberlehrling vorschwärmte, hatte ich den Film bereits vergessen. Mit den Schülern schaute ich Fantasia.

Lady in the dark. Musical von Kurt Weill und Ira Gershwin, toll inszeniert in der Staatsoper Hannover
Schöne Frauen


Ich mag sie ja irgendwie, diese jungen Frauen, besser gesagt: die jungen schönen Frauen. Man begegnet ihnen allerorten, vor allem zu Zeiten der Stadtfeste tummeln sie sich, umgeben von Freundinnen oder auch von einer Schar männlicher Bewunderer. Ach, sie klimpern mit den Wimpern, giggeln in einem fort und streichen sich dann und wann ihr wunderbares Haar aus dem Gesicht, mit einer lange geübten Handbewegung. Das machen sie auf dem Maschseefest, das machen sie auf dem Weihnachtsmarkt.


Sie geben es nicht zu, aber sie haben früh gelernt, dass sie schön sind. Deswegen wollen alle ihre Freunde sein. Mädchen wollen sein wie sie, Jungen wollen sie anfassen und küssen. Das ist gut, früh schon haben sie gelernt, dass man ihnen alles verzeiht, wenn sie nur hübsch aussehen, wenn sie nur im richtigen Moment ihre Augen senken.


Ich liebe diese Frauen und ich liebe ihre süße Verwirrtheit, ihre Aufregung, wenn man ihnen als ihr Anleiter sagt, dass sie aufmerksamer arbeiten müssen und ihren Schmollmund zu Hause lassen sollen; wenn man ihre Klimpereien mit milden Amusement quittiert; wenn man sie im Gedränge stößt, weil sie einfach stehen bleiben und sie dafür schilt.
Es gibt viele von ihnen, das wissen sie noch nicht. Sie wissen noch nicht, dass nächstes Jahr neue schöne Frauen ihren Platz einnehmen werden. Manche lernen es und werden mit den Jahren realistischer. Andere leider nie.

Samstag. Manche machen Möhrenstapel.
Place de la Bastille